Chronik der Ortsgemeinde Urbar
Seit der Weimarer Republik vergrößert sich Urbar vor allem durch den Ausbau der heutigen Arenbergerstraße; Friedhof und Sportplatz werden gebaut.
Die Zerstörung der Urbarer Kirche im Zweiten Weltkrieg verändert das Dorfbild entscheidend. Seit 1950 wächst die Einwohnerzahl von Urbar auf 2858. Im Jahre 1994 erhöht sich diese nochmals durch die Errichtung neuer Wohnbaugebiete.
Urbar ist heute vorrangig Wohnvorort von Koblenz mit mehreren kleinen und mittleren Gewerbebetrieben, einigen Gaststätten und wenigen Bauernhöfen im Außenbereich. Im neu gebauten Bürgerhaus, der neuen Sporthalle und dem neuen " Aulenbergstadion" findet ein vielfältiges Vereinsleben statt. Daneben prägen die katholische Kirche, ein evangelisches Gemeindezentrum und eine neue Grundschule das Bild des Ortes. Zwei Buslinien und im Sommer die Personenschifffahrt auf dem Rhein verbinden die Gemeinde mit Koblenz und Vallendar.
Schon vor ca. 13.000 Jahren siedelten Menschen in Urbar, einem der wichtigsten Siedlungsplätze der ausgehenden Altsteinzeit in unserer Region.
Erstmals im westlichen Deutschland wurde hier eine spätaltsteinzeitliche Freilandstation des Menschen gefunden, wo sich sogar noch die Knochen der Jagdbeute erhalten hatten. Diese frühen Menschengruppen waren Jäger und Sammler und wohnten in der damals üblichen Form einer Haus- oder Zeltkonstruktion im heutigen Monzental. Auch in der folgenden Zeit hielt sich gewiss der Mensch immer wieder in der Gemarkung Urbar auf, auch wenn dies bisher noch nicht durchgängig archäologisch nachgewiesen werden konnte.
Mit der römischen Landnahme und dem Ausbau des Limes im 1. und 2. Jh. kam auch die Landschaft um Urbar in das römische Reichsgebiet. Die parallel zum Rhein ausgebaute Römerstraße sollte die Kastelle u.a. Bendorf mit Niederberg verbinden und führte dicht, östlich an Besselich vorbei. Doch sind bisher römische Spuren und frühmittelalterliche Reste in dem Areal des Hofgutes und dem anschließenden ehemaligen "Besselicher Feld" nicht aufgetreten.
Erstmals schriftlich erwähnt wird Urbar im Jahre 1167 mit der Bezeichnung "overware", was " Überfahrt" bedeutet. Mit der Nennung Kapelle "Besselich", (lateinisch "kleine basilica") wird 1204 das Kloster bekannt. Erst seit 1440 haben wir eine durchgehende Berichterstattung bis zur Aufhebung im Jahre 1806. Das Franziskanerinnenkloster hatte seine Blütezeit im 15. und 16. Jahrhundert, konnte sich aber trotz Reformation, Kriegswirren und vielen Hungersnöten durch die folgenden Jahrhunderte halten. In dieser Blütezeit ist hier das bedeutende Stundenbuch entstanden und wesentliche Teile der Gebäude des Klosters wie z.B. die eindrucksvolle Säule im Eingang zum ehemaligen Konventhaus.
Für Urbar und Besselich sind in ihrer historischen Entwicklung drei Voraussetzungen maßgeblich: die Funktion als Fährort mit Anbindung an das fruchtbare mittelrheinische Becken, die Bedeutung als Weinort und die Nähe zu der seit dem 10. Jahrhundert überlieferten Burg und späteren Festung Ehrenbreitstein.
Im Zuge der territorialen Neuordnung auf dem Wiener Kongress kommt Urbar mit der Rheinprovinz zu Preußen. Nach verschiedenen Besitzern erwirbt 1834 die Familie von Barton, später genannt von Stedmann, Besselich. Es wird zu einem hohen, gesellschaftlichen Treffpunkt am Mittelrhein, auf dem auch Kaiser Wilhelm mit seiner Gemahlin sich gerne sehen lässt. Die Familie von Stedmann setzt sich in der Folgezeit sehr für die Belange von Urbar ein und fördert die Entwicklung des Ortes deutlich. Neben Weinbau und Landwirtschaft bildet die Tongrube seit Anfang des 18. Jahrhunderts bis zur Schließung im Jahr 1954 eine gute Wirtschaftsgrundlage.



